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Neues vom Datenschutz

  • 1. Juni
  • 2 Min. Lesezeit

Als Journalist begegnet mir das Thema Datenschutz fast jeden Monat. Auffallend ist dabei: Gerade jene, die besonders laut auf ihr Recht am eigenen Bild pochen, sind oft selbst sehr präsent in den sozialen Medien.

Beim Recherchieren stosse ich wegen des Datenschutzes regelmässig an Grenzen. Wo früher ein Telefon genügte, beisst man heute oft auf Granit. Doch diese kreativen Umwege über Netzwerke und andere Kanäle sind gar nicht der Grund für diese Kolumne.

Kürzlich war ich an einer öffentlichen Lesung in Klosters. Ich wollte die Stimmung einfangen und filmte deshalb einmal quer durch das Publikum. Die meisten, die das publizierte Video später sahen, freuten sich für den Autor, dass so viele Interessierte anwesend waren. Ein Herr empfand die Aufnahme jedoch beinahe als persönlichen Angriff. Er kommentierte: «Wo bleibt das Recht am eigenen Bild? Niemand wurde gefragt, ob man der Veröffentlichung des Videos zustimmt …»

Ich schrieb ihm persönlich, dass es sich um eine öffentliche Veranstaltung gehandelt habe, ich das Video aber löschen könne, wenn es ihn derart störe. Offenbar merkte er selbst, dass seine Reaktion etwas heftig ausgefallen war, und löschte seinen Kommentar wieder.

Geblieben ist mir vor allem eines: Sein Kommentar bewirkte wohl eher das Gegenteil von dem, was er erreichen wollte. Plötzlich war für alle sichtbar, dass er im Video zu sehen war. Und vermutlich klickte danach manch einer auf sein Profil, um herauszufinden, wer da so vehement auf den Datenschutz pocht.

Als ich sein Profil anschaute, fiel mir auf, dass er nicht nur Bilder von sich selbst, sondern auch Fotos mit seinen Enkeln öffentlich ins Internet gestellt hatte. Ich will ja nicht kleinlich sein. Aber wenn es um Kinder geht, ist Datenschutz im Internet wohl deutlich wichtiger, als wenn man bei einer öffentlichen Lesung kurz im Publikum zu sehen ist.

Oder finden Sie nicht auch?


 
 
 

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