Nach mir die Sintflut?
- vor 3 Tagen
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Es scheint ein Phänomen unserer Zeit zu sein, dass viele Menschen den Fokus vor allem auf sich selbst legen und gesellschaftliche Verantwortung von sich weisen. Der eigene Vorteil scheint oft wichtiger zu sein als ein friedliches Miteinander, in dem für alle genug vorhanden wäre.
Von der SVP und ihren Initiativen kann man halten, was man will. Strategisch sorgen Vorlagen wie die «Halbierungsinitiative», die «Nachhaltigkeitsinitiative» oder die «Keine 10-Millionen-Schweiz»-Initiative jedenfalls für viel Gesprächsstoff. Das Element der Provokation funktioniert: Neben Parteien, die solche Vorlagen bekämpfen, werden auch Vertreter der Volkspartei eingeladen und erhalten zusätzliche Aufmerksamkeit.
Auf die Partei, die sich selbst als «Partei des Mittelstands» bezeichnet, möchte ich hier aber gar nicht weiter eingehen. Mich interessiert vielmehr, wie Menschen in den sozialen Medien auf die «Keine 10-Millionen-Schweiz»-Initiative reagieren. Oft lese ich dort von besorgten Eltern, die befürchten, dass für ihre Kinder irgendwann keine Lehrstellen oder kein Wohnraum mehr übrig bleiben, weil die Schweizer Grenzen angeblich offen seien und niemand diesen «Wahnsinn» stoppe.
Ich will Sie als Journalist nicht in Ihrem Abstimmungsverhalten beeinflussen – sonst werde ich von gewissen Lesern wieder als grüner Kommunist abgestempelt. Was mir bei dieser Debatte jedoch besonders ins Auge fällt: Viele Befürworter der Initiative haben selbst einen Migrationshintergrund.
Das dünkt mich zumindest widersprüchlich: selbst alle Vorteile der Schweiz geniessen und gleichzeitig anderen Ausländerinnen und Ausländern den Zugang erschweren wollen. Ist das nicht genau dieses «Nach mir die Sintflut», das ich nie verstanden habe?
Vielleicht wäre die wichtigere Frage nicht, wie viele Menschen in der Schweiz leben, sondern wie viel Solidarität eine Gesellschaft noch tragen will...



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