Sabotieren statt diskutieren
- 26. März
- 1 Min. Lesezeit

Es ist schon auffällig: Wo früher diskutiert wurde, wird heute sabotiert. Menschen mit anderen Ansichten suchen längst nicht mehr nach einem gemeinsamen Nenner. Stattdessen scheint es in Mode zu sein, andere von der eigenen Meinung zu überzeugen oder sie gleich zu diskreditieren.
Als Journalist weiss ich, dass Themen wie Geld, Macht, der Klimawandel oder auch der Wolf Emotionen auslösen und die Leserinnen und Leser bewegen. Was früher noch lautstark am Stammtisch diskutiert wurde, entlädt sich heute ungefiltert im Internet. Dabei sticht etwas besonders ins Auge: Es scheint nur noch Schwarz oder Weiss zu geben, nur noch richtig oder falsch.
Als Journalist braucht man ein dickes Fell. Wortmeldungen wie «Es fällt in der PH immer wieder auf, dass es Schreiberlinge gibt, die schlauer sein wollen, als sie es in Wirklichkeit sind.» oder «Es soll Ihnen auf Ihrer grün-roten Welle wohl sein.» ringen mir höchstens ein müdes Lächeln ab. Doch sie fördern keine Gesprächskultur, sondern tragen vielmehr zur weiteren Spaltung der Gesellschaft bei.
Wer eine unpopuläre Meinung vertritt, muss jederzeit damit rechnen, dass sich ein sogenannter «Shitstorm» über ihm oder ihr entlädt. Ich empfinde das als schade, denn meist führt es zu keinem Ziel. Es zeigt nur, dass die oft anonym agierenden Menschen im Internet alles besser wissen wollen. Diese Egospiele sind ermüdend und bringen viele dazu, zu schweigen – und damit das Feld den Falschen zu überlassen.



Kommentare