Es geht nur gemeinsam
- 17. Juli
- 2 Min. Lesezeit

Gestern war ich an einer Lesung einer Autorin, die ein Sachbuch über das Thema Manipulation verfasst hat. Neben der Politik, in der Gesprächstaktiken zum Alltag gehören, kam sie auch auf die Kirche zu sprechen, die in der Vergangenheit mit manipulativen Mitteln zu mehr Macht gelangt war. Da sie im Vorgespräch mitbekommen hatte, dass eine Frau im Publikum sass, die im kirchlichen Bereich tätig ist, entschuldigte sie sich rasch nach ihrer Aussage bei ihr. Diese erwiderte nur lapidar, dass sie das nicht gross störe, denn sie sei reformiert und nicht katholisch.
Bei mir wurden in diesem Moment, der einen gewissen Ulk-Faktor hatte, auch Erinnerungen an früher wach. Denn wer im Prättigau aufwächst und katholisch erzogen wird, hat immer einen gewissen Exotenstatus. Wir Kinder mussten beispielsweise den obligatorischen Religionsunterricht in der Schule nicht besuchen, da wir ein eigenes «Programm» im Nachbardorf hatten.
Religion und Politik
Schon als Kind verstand ich nie genau, weshalb bei den Konfessionen so separiert wurde, war doch die Glaubensrichtung und auch der Gott, zu dem gebetet wurde, derselbe. Jahre später verstand ich, dass es im Leben oft so läuft. Auch wenn es den Spruch «Gleich und gleich gesellt sich gern» gibt, gelebt wird er in der Regel eher selten.
Wie oft liest man von Politikerinnen und Politikern, die sich anstatt für die Interessen des Volkes vor allem für jene ihrer Partei einsetzen. Und noch schlimmer: die auf der politischen Gegenseite zudem mit allen Mitteln Sabotage betreiben, anstatt nach gemeinsamen Lösungen zu suchen. Somit verwässert der ursprüngliche Gedanke immer mehr, dass es doch das Ziel war, gemeinsam für die Menschen einzustehen und nach den bestmöglichen Lösungen für die Wählerschaft zu suchen. Das ist einfach nur schade.
Chance Ökumene?
Wie man regelmässig in der Zeitung liest, hat der Stellenwert der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten drastisch abgenommen. Über ein Drittel der Menschen in Graubünden sind inzwischen als konfessionslos registriert. Klar kann man hier wieder alte Kamellen hervorholen, dass die Kirche mit ihren zum Teil mafiösen Strukturen durchaus auch einen gewissen Anteil an der Schuld trägt oder dass die Missbrauchsfälle für viele Austritte gesorgt haben. Doch da ich weiss, wie viel Halt der Glaube geben kann, geht es nicht darum, einen oder mehrere Sündenböcke für die Flucht aus den Kirchgemeinden zu suchen.
Viel wichtiger ist es doch für alle Gläubigen zu erkennen, dass eine Zukunft der Kirche nur funktioniert, wenn sie sich öffnet. Seit jeher habe ich mich in ökumenischen oder reformierten Gottesdiensten viel wohler gefühlt als in strengen katholischen Messen. Denn Glaube sollte eine Einladung und nicht ein Zwang sein. Als Kind habe ich immer bewundert, wie friedlich und ungezwungen ein reformierter Gottesdienst über die Bühne ging, während mir vom gemeinsamen Beten in katholischen Messen die Knie schmerzten.
Auch wenn ein frommer Katholik vielleicht behaupten mag, dass die Reformierten einen «Glauben light» praktizieren, ist das nur die halbe Wahrheit. Es lohnt sich, die gemeinsame Geschichte genauer aufzuarbeiten und vielleicht sogar das Zölibat auf den Prüfstand zu stellen. Denn wenn die reformierte, katholische, orthodoxe und vielleicht sogar die freievangelische Kirche eine Zukunft haben wollen, funktioniert das nur, wenn zusammengespannt und der Dialog gesucht wird.



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