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Aktion statt Reaktion

  • vor 2 Minuten
  • 2 Min. Lesezeit

In wenigen Tagen jährt sich der Todestag meiner Schulkollegin Elisabeth bereits zum zweiten Mal. Und auch wenn man meinen könnte, dass Depressionen und Suizid längst keine Tabuthemen mehr sein sollten, liest man auch heute noch viel zu oft von Freitoden in der Zeitung. Es ist höchste Zeit, wieder einmal all jener zu gedenken, die viel zu früh gegangen sind und gleichzeitig gemeinsam alles daranzusetzen, weitere Suizide zu verhindern.

Vor gut einem Jahr habe ich ein etwas spezielles Video auf meinen Social-Media-Kanälen geteilt. Darin ging es darum, wie viele Männer sich jedes Jahr, jeden Monat, jeden Tag und sogar jede Stunde das Leben nehmen. Die Zahlen habe ich zwar nicht mehr im Kopf, doch sie waren erschütternd und haben mich dazu bewegt, auf dieses Thema aufmerksam zu machen. Denn ich bin nach wie vor überzeugt: Jeder Suizid ist einer zu viel.

Ein aufmerksames Zeichen

Kurz darauf schrieb mich ein befreundeter Autor an: «Ich hoffe, ich trete dir nicht zu nahe. Deine Story zum Thema Suizid hat mich eben hellhörig gemacht. Ist bei dir alles in Ordnung oder kann ich dir in irgendeiner Form helfen, falls du Unterstützung brauchst?» In diesem Moment war ich ehrlich gesagt etwas baff. Als ich mir das Video nochmals ansah, wurde mir bewusst, dass man die Aussagen durchaus auch anders hätte interpretieren können. Ich schrieb ihm deshalb sofort zurück, dass es mir gut gehe und ich mich herzlich für seine Nachfrage bedanke. Das Thema beschäftige mich gerade, weil ich von einem Suizid in der Region erfahren habe und ich finde, dass es dringend mehr Sensibilisierung dafür braucht. Er antwortete, dass er froh sei zu hören, dass es mir gut gehe, und dass auch er bei diesem Thema grossen Handlungsbedarf sehe.


Reden kann Leben retten

Lange habe ich über diese Nachricht nachgedacht. Bis heute finde ich, dass es eine der besten Reaktionen überhaupt ist, bei einem unguten Gefühl einfach nachzufragen. Auch wenn es im ersten Moment vielleicht etwas übergriffig wirken könnte, am richtigen Ort könnte genau diese eine Nachfrage ein Leben retten. Deshalb möchte ich auch in Zukunft achtsamer durchs Leben gehen, mir Zeit nehmen und versuchen, zwischen den Zeilen zu lesen. Solche Tragödien lassen sich nur gemeinsam verhindern. Und genauso wichtig: Es ist keine Schande, selbst um Hilfe zu bitten. Kinder und Jugendliche erhalten Unterstützung bei Pro Juventute unter der Nummer 147, Erwachsene bei der Dargebotenen Hand unter 143. Weitere Informationen finden Sie unter www.reden-kann-retten.ch.

 
 
 

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