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Ich arbeite, also bin ich?

  • 7. Apr.
  • 2 Min. Lesezeit

Die Antworten sind oft ähnlich, wenn man jemanden fragt, wer er oder sie ist. Viele erzählen zuerst, wo sie angestellt sind, was sie beruflich machen und vielleicht noch, wie viele Personen ihnen unterstellt sind. Viel seltener erfährt man jedoch, was einen Menschen wirklich ausmacht. Das stimmt mich nachdenklich.

Das Videoformat des SRF-Journalisten Donat Hofer gefällt mir sehr gut. Der Berner geht, begleitet von einem Kameramann, auf Menschen zu und spricht mit ihnen über das Leben. Ganz ungezwungen entstehen dabei Biografien, die unter die Haut gehen. In Erinnerung geblieben sind mir nicht nur ein Gespräch, in dem vor allem gemeinsam geschwiegen wurde, sondern auch die Begegnung mit einem Buschauffeur. Auf Hofers Frage, wer er sei, antwortete dieser mit einer Aufzählung seiner Ausbildungen und seines beruflichen Werdegangs. Der Journalist hakte nach und wollte wissen, was ihn als Menschen ausmache. Er habe schliesslich nicht gefragt, was er beruflich tue.

Das erinnerte mich an ein Treffen mit einem ehemaligen Mitschüler vor ein paar Jahren. Auch er sprach voller Stolz von seiner leitenden Funktion bei einer grossen Firma im Ausland und davon, wie viele Mitarbeitende er führe. Erst viel später, als ich gezielt nachfragte, erwähnte er auch seine Kinder.

In diesem Moment wurde mir klar, dass ich das für mich nie so will. Die Arbeit ist selbstverständlich ein wichtiger Teil meines Lebens. Viel wichtiger ist für mich aber, wie achtsam ich mit der Zeit umgehe, die ich mit meinen Liebsten verbringen darf. Kinder erinnern sich später kaum daran, ob das Konto am Ende des Monats gut gefüllt war. Woran sie sich jedoch mit Sicherheit erinnern, ist, wie sie sich gefühlt haben, wenn sie Zeit mit mir verbracht haben. Jobs, Geld und Erfolge kommen und gehen. Doch die prägenden Jahre der eigenen Kinder sollte man um keinen Preis verpassen.


Foto: Ben Wicks

 
 
 

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