Der Kampf gegen Oberflächlichkeit
- 1. Mai
- 2 Min. Lesezeit

Oft kommunizieren wir wahnsinnig oberflächlich. Ein «Wie geht’s?» geht uns leicht über die Lippen, ohne dass wirkliches Interesse am Gegenüber dahintersteckt. Dass auch ich nicht immer achtsam und mit Tiefe kommuniziere, wurde mir kürzlich am Bahnhof bewusst, als mich eine Antwort völlig auf dem falschen Fuss erwischte.
Nach dem Tod eines Kollegen hatte ich mir vorgenommen, aufmerksamer auf Menschen zuzugehen. Die Erfahrung, wie schnell alles vorbei sein kann, hat mich wachgerüttelt. Ich wollte präsenter sein und anderen auch emotional eine Stütze bieten.
Doch wie viel ich noch zu lernen habe, zeigte sich bei einer Begegnung mit einem anderen Kollegen. Ich spürte, dass ihn vieles belastete. Auf meine Nachfragen und Hilfsangebote reagierte er jedoch zurückhaltend. Es zog mich selbst runter, als er sagte, er sei eben ein Einzelgänger und werde das auch bleiben. Sein einziger Weg, mit Krisen umzugehen, sei es, in den Zug zu steigen und wegzufahren.
Beim Abschied nutzte ich die Gelegenheit und sagte, er solle sich doch melden, wenn es ihm schlecht gehe. Dann könnten wir gemeinsam etwas unternehmen, damit er auf andere Gedanken komme.
Er sah mich enttäuscht an und sagte, dass er genau das von allen höre. Viele erwarteten von ihm, dass er sich melde, hätten dann aber keine Zeit, wenn er es tatsächlich tue.
Das traf mich. Denn auch ich hatte ihm schon abgesagt, wenn Familie, Job und Projekte Vorrang hatten. Zwischen den Zeilen machte er mir klar, dass mein Interesse vielleicht weniger ehrlich war, als ich dachte. Er sagte: Er habe immer Zeit und wenn ich wirklich etwas unternehmen wolle, solle ich mich auch von mir aus melden.
Mir blieb kurz die Spucke weg. Doch ich nahm mir vor, in Zukunft bewusster Zeit für solche Begegnungen einzuplanen. Denn nur so durchbrechen wir die Oberflächlichkeit unseres Alltags und schaffen Raum für echte, tiefgehende Freundschaften.



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