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Der fehlende Pausenknopf

  • vor 12 Minuten
  • 2 Min. Lesezeit

Der vergangene Sonntag war der schlimmste Tag in meinem bisherigen Leben. Ich hatte ein ungutes Gefühl, ging vorbei und fand meinen besten Freund tot in seinem Zuhause.


Seit Tagen kreisen meine Gedanken um vieles. Doch eines fällt mir immer wieder auf: Die Welt hat keinen Pausenknopf. Und genau das macht es so schwer.


Dabei hatte alles so leicht begonnen. Am Freitag feierten wir in Chur die Veröffentlichung von zwei neuen Büchern. Selten habe ich so viel Wertschätzung erfahren wie an diesem Abend und doch fühlte es sich irgendwie seltsam an. Als ich den gemeinsamen Erfolg unseres «Graubünden schreibt»-Buchs mit meinem Lektor, Setzer und Freund Wolfgang Frey teilen wollte, erhielt ich keine Antwort.


Am Samstag versuchte ich, ihn anzurufen. Wieder nur die Mailbox.


Am Sonntag hielt ich die Ungewissheit nicht mehr aus und stieg ins Auto. Mein mulmiges Gefühl bestätigte sich: Er war vor kurzem, hoffentlich friedlich, eingeschlafen.


Doch schon während der Notfallwagen und die Polizei vorfuhren, merkte ich, dass die Welt nicht einmal für eine Sekunde stillsteht. Rund um sein Haus ging alles weiter, als wäre nichts geschehen. Während ich gerade einen engen Freund verloren hatte, drehte sich die Welt scheinbar einfach weiter, vielleicht sogar ein wenig schneller.


Und genau das ist das Harte an der Trauer.


Während ich mich am liebsten einschliessen und im Gedenken an ihn eine Kerze anzünden würde, läuft draussen alles wie immer weiter. Im Laden wünscht man einem «einen schönen Tag». Termine und Verpflichtungen bleiben bestehen.


Ich spüre am eigenen Leib, wie schnell der Alltag wieder das Steuer übernimmt. Wie rasch man, zumindest gefühlt, vergessen wird. Irgendwie ist das bedenklich. Und gleichzeitig vielleicht auch notwendig. Denn vielleicht schützt uns genau das davor, uns vollständig im Grübeln zu verlieren.


Vielleicht heilt man so schneller, als wenn es einen Pausenknopf gäbe.

 
 
 

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