Vom Führen und Leiten
- 10. März
- 2 Min. Lesezeit

Wenn es darum geht, sich zu profilieren, greifen viele Menschen zu gesellschaftlich anerkannten Statussymbolen. Bei mir löst das meist nur ein müdes Lächeln aus. Denn solche Versuche entlarven sich oft schneller, als den Beteiligten lieb ist.
Das Muster ist erstaunlich konstant. Jemand tritt eine neue Stelle an und verlässt die alte. Doch anstatt begeistert von neuen Aufgaben, Ideen oder Projekten zu erzählen, wird etwas ganz anderes hervorgehoben. Wie viele Leute man jetzt unter sich hat. Zwanzig. Fünfzig. Hundert. Je höher die Zahl, desto breiter das Lächeln. Offenbar soll diese Zahl beweisen, wie kompetent man ist. Schliesslich würden ja nicht so viele Menschen zu einem aufschauen, wenn man nichts könnte. Eine interessante Logik. Die Anzahl Untergebener sagt allerdings ungefähr so viel über Kompetenz aus wie die Grösse eines Büros über Intelligenz.
Andere Qualitäten zählen
Dieses Zelebrieren von Macht wirkt auf mich reichlich aus der Zeit gefallen. Der autoritäre Führungsstil, bei dem eine Chefin oder ein Chef auf einem Podest steht und möglichst unantastbar erscheint, erinnert eher an vergangene Jahrzehnte als an moderne Arbeitswelten. Heute sind andere Qualitäten gefragt. Interesse an Menschen. Kommunikation auf Augenhöhe. Fördern und Fordern. Vertrauen schaffen. Genau deshalb spreche ich persönlich lieber vom Leiten als vom Führen. Das Wort Führen trägt für mich noch immer einen leicht autoritären Beigeschmack.
Motivieren statt sabotieren
Unternehmen, die stark von Hierarchien und Machtdemonstrationen geprägt sind, entwickeln oft ein erstaunlich produktives Klima. Allerdings nicht für gute Arbeit, sondern für Intrigen, Neid und gegenseitige Sabotage. Diese Dynamik habe ich im Laufe meines Berufslebens mehr als einmal beobachten können. Ganz anders sieht es aus, wenn jemand ein Team wirklich begleitet. Wenn Menschen ernst genommen werden, Verantwortung übernehmen dürfen und sich mit einer Idee identifizieren können. Dann entsteht Motivation fast von selbst.
Das Team gewinnt
Das zeigt sich auch in den Rückmeldungen von aussen. Positive Reaktionen auf Artikel von Peter Müller und Anita Fuchs lösen immer wieder erstaunliche Energie aus. Menschen fühlen sich angesprochen, denken weiter und bringen neue Ideen ein. Genau so entsteht Bewegung. Am Ende gewinnt ohnehin immer das Team. Deshalb arbeite ich lieber mit zwei begeisterten Menschen zusammen, die für eine Sache brennen, als mit hundert, die verstummen, sobald ich den Raum betrete.
Von Geld und Geltungsdrang
Ein weiterer Klassiker bei Stellenwechseln darf natürlich ebenfalls nicht fehlen. Der höhere Lohn. Selbst wenn gleich versichert wird, dass Geld ja gar nicht so wichtig sei, wird es trotzdem erwähnt. Eine interessante Prioritätensetzung. Für mich hat dieses alte Machtinstrument längst an Wirkung verloren. Geld verdirbt den Charakter nicht. Aber es macht ihn sichtbar. Doch das wäre Stoff für eine andere Kolumne.



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