Bei Geld hört die Freundschaft auf
- 29. Apr.
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Kennen Sie dieses ungute Gefühl, wenn Sie Geld brauchen und es im entscheidenden Moment auf dem Konto fehlt? Die Daueraufträge sind bereit, und doch blockiert alles, weil die liquiden Mittel nicht eingetroffen sind.
Ich bin ein Mensch, der sich möglichst wenig Gedanken über finanzielle Dinge machen möchte. In solchen Momenten komme ich jedoch in Bedrängnis und muss nachhaken – etwas, das ich überhaupt nicht gerne tue.
Mein Vater hat immer gesagt: «Bei Geld hört die Freundschaft auf.» Ich habe ihm das nie geglaubt, bis mich einmal ein Kollege um 2000 Franken bat. Während wir zuvor immer entspannt miteinander umgegangen waren, stand plötzlich ein Elefant im Raum.
Ich habe ihm das Geld gerne ausgeliehen. Gleichzeitig fand ich es schwierig, dass er als Alleinstehender bei einem zweifachen Familienvater Geld ausleihen musste. Er zahlte mir das Geld nur tröpfchenweise zurück und auch das erst, nachdem ich nachgefragt hatte. Mit der Zeit blickte ich immer mehr hinter seine Maske.
Mir fiel auf, wie einseitig unsere Freundschaft eigentlich war und dass ich immer derjenige gewesen war, der sie gepflegt hatte. Im Prinzip bin ich dankbar für diese Erfahrung. Denn hätte er sich kein Geld geliehen, hätte ich vielleicht nie bemerkt, wie unsere Freundschaft wirklich beschaffen war.
Solche Erfahrungen lassen einen wachsen. Gleichzeitig muss man aufpassen, nicht zynisch zu werden. Denn längst nicht alle Menschen handeln nur nach ihrem eigenen Vorteil. Es lohnt sich, offen zu bleiben und neue Menschen ins eigene Leben zu lassen.
Diese Erfahrung mit einer Freundschaft, die nun seit gut zwei Jahren vollständig brachliegt, hat mir aber gezeigt: Bei Freundschaften geht es um ein Geben und Nehmen. Damit ist nicht unbedingt Geld gemeint.



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